Project: Elite – Echtzeit-Knüller von Artipia Games
Mit Project: Elite hatte und hat Artipia Games einen schweren Start. Das Spiel wurde über Kickstarter finanziert und sollte eigentlich kurz nach Essen 2015 verschickt werden – erste Exemplare wurden dort auch schon an die Baker verteilt und verkauft. Leider hat Artipia gleich mehrfach schwerwiegende Fehler in der Kommunikation mit den Kickstarter-Usern begangen. So wurde erst kurz vorm Versendetermin die entgültige Qualität offenbart – und die brachte die Community in Rage.Statt der versprochenen „Highly detailled miniatures“ fanden sich Fotos von geschmolzenen Plastikblobs. In den Kommentaren wurde rebelliert. Nach Essen tauchten dann bei Boardgamegeek erste Fotos auf, die nochmals belegten, dass das Werbeversprechen offensichtlich nicht eingehalten wurde und auf den darauf folgenden Druck entschloss man sich bei Artipia Games, dem Partner Drawlab Entertainment, der die Miniaturenproduktion übernommen hatte, eine Neuproduktion aufzudiktieren. Inzwischen ist die Miniaturenqualität verbessert und das Spiel ist kurz vor der offiziellen Auslieferung. Es hat zwar den Augenschein, dass die neuen Figuren noch immer nicht wirklich das versprochene Ergebnis wiederspiegeln aber immerhin hat man sich bemüht…
Dass die Veröffentlichung von Project: Elite unter so dunklen Wolken stand, ist mehr als schade. Der Teil des Spiels nämlich, den Artipia Games selbst produziert hat, also alles bis auf die Miniaturen, ist von durchgehend guter Qualität. Angefangen mit der Box mit nettem Inlay, über das Spielbrett bis zu den Karten: Es gibt absolut nichts zu bemängeln und hier wurde für das bezahlte Geld absolut ein realistischer Gegenwert geschaffen.
Insgesamt ist der Inhalt der Grundbox beeindruckend: ein riesiger Berg Spielfiguren, 34 Würfel, etliche Karten in unterschiedlichen Decks, massig Tokens… Die schon große Box ist komplett gefüllt – praktischerweise ist aber das Inlay so gestaltet, dass auch alle Komponenten sauber ihren Platz darin finden.
Das Spiel selbst ist hierfür überraschend einfach. Die sehr kurz gehaltene Anleitung verspricht es schon und tatsächlich ist es kein Problem, seinen Mitspielern in 5-10 Minuten alle relevanten Regeln zu erklären.
Bei Project: Elite handelt es sich um ein Echtzeit-Action-Strategiespiel, das in zwei Phasen gegliedert ist. In der ersten Phase geht alles noch recht harmlos und gesittet zu: vor der Basis beginnen sich die Alienhorden aufzubauen, die uns überrennen wollen. Wir Spieler legen uns unsere Waffen zurecht und besprechen unsere Strategie, wohl wissend dass diese nur bis zum ersten Feindkontakt gültig sein wird. Das entsprechende Szenario ziehen wir hierbei zufällig. Auf zwei unterschiedlichen Karten sind verschiedene Missionstypen zu erledigen. Hierdurch gibt es einiges an Abwechslung, was allerdings leider fehlt ist ein wenig Erklärung zu den unterschiedlichen Missionen.
Nach der Ruhephase (heisst im Spiel anders und ist noch in diverse Unterphasen aufgegliedert) werden wir Spieler aktiv. Jeder nimmt seine Würfel in die Hand und der Timer wird gestartet. Nun haben wir genau zwei Minuten Zeit, um aus unserer Basis zu stürmen, uns an die Erledigung unserer Missionsziele zu machen und dabei möglichst viele Aliens zu erledigen um zu verhindern, dass diese unsere Basis stürmen. Hierfür haben wir zwei unterschiedliche Würfeltypen. Zum einen weiße Spezialwürfel, bei denen sechs unterschiedliche Symbole abgebildet sind, zum anderen grüne W6 als Nummernwürfel. Bei den weißen Würfeln gibt es zwei besonders wichtige Symbole: Einen grünen, laufenden Menschen und einen roten Alienkopf. ersteres erlaubt dem eigenen Kämpfer, sich um ein Feld zu bewegen. Der rote Kopf hingegen zwingt uns, unseren Zug kurzzeitig zu unterbrechen. Bevor wir weitere Aktionen durchführen, müssen wir erst eines der Aliens auf der Karte in Richtung auf unsere Basis bewegen. Welches Alien wir bewegen, steht uns frei – die Richtung allerdings, ist durch kleine Pfeile auf der Karte festgelegt. Die übrigen vier Symbole auf unseren Würfeln dienen zur Aktivierung unserer Waffen und zur Nutzung weiterer Fähigkeiten. Auf den Waffenkarten sind hierfür je nach Typ unterschiedliche dieser Symbole abgebildet. Diese müssen wir sammeln, ehe wir die Waffe benutzen können. Haben wir dies geschafft und die Waffe scharfgemacht, müssen wir noch mit den grünen W6 den ausgeteilten Schaden ermitteln. All dies können wir so oft tun, wie wir es in zwei Minuten schaffen. Anfangs fühlt sich die Zeit hier auch noch vollkommen ausreichend an, später merkt man oft, wie sehr man sich diesbezüglich geirrt hat.
Das Spiel hat unerschiedliche Endbedingungen: Im glücklichsten Fall schaffen wir es, unsere Missionsziele zu erfüllen und alle Teammitglieder sicher wieder in die Basis zu bringen. Gelingt uns dies, haben wir das Spiel gewonnen. Haben wir allerdings Verluste im Team, schaffen es die Aliens in unsere Basis oder schaffen wir unser Ziel nicht in der maximalen Rundenzahl von acht, haben wir verloren. Hierbei spielen sich die unterschiedlichen Missionen sehr unterschiedlich. Haben wir eine grüne, leichte Missionskarte gezogen, konnten wir das Spiel meistens siegreich beenden. Bei den mittelschweren Missionskarten wird das ganze schon recht knackig und die roten, schweren Missionen haben bisher immer unsere Gruppe an den Rand der Verzweiflung gebracht bevor wir endgültig von Alienhorden überrannt wurden.
Project: Elite spielt sich hierbei jedes Mal ein wenig anders und jedes Mal extrem spannend. Selbst Spieler, die das Spiel zum Ersten Mal vor sich haben, tauchen meist schnell in die Stimmung ein und fühlen sich schnell in ihre Rolle ein. Nach Ablauf der Actionphase sind immer alle außer Atem und glücklich über das erreichte Zwischenziel. Bei einigen von uns ist Project: Elite inzwischen zum absoluten Lieblingsspiel avanciert und dass das Spiel einfach einen hervorgehobenen Platz im Spieleregal verdient, darüber sind wir uns definitiv einig. Allein die leider suboptimale Miniaturenqualität und die fehlenden Flufftexte trüben dieses Bild leicht, aber zum Glück nicht ansatzweise genug, um Project: Elite für uns abzuwerten. Absolute Spielempfehlung!